Bericht zum Eintracht-Open in Neubrandenburg

Neubrandenburg. Das 28. „Eintracht-Open“, aber für mich erst die zweite Teilnahme. Charakteristisch ist der sehr straffe Zeitplan mit verkürzten Partien, damit die Berliner noch freitags nach der Arbeit anreisen können und am Sonntag Abend wieder zuhause sind. Das Turnier fand direkt im Hotel statt, wo man für humane Preise übernachten konnte. Frühstück und ggf. Saunanutzung waren inbegriffen, auch das W-LAN funktionierte reibungslos.

Spielort und Hotelpersonal ließen keine Wünsche offen.

Am Turnierort angekommen traf ich diesmal nur wenige bekannte Gesichter. Ein paar Brandenburger waren dabei, aber die meisten kamen aus Mecklenburg-Vorpommern und Umgebung. Dieses Jahr reichte es für mich DWZ-mäßig für die A-Gruppe und natürlich nahm ich diese Herausforderung gerne an.

Organisatorisch lief dieses Jahr nicht alles glatt. Der Turnierstart verspätete sich wegen einer Vollsperrung bei Gransee – sehr bedauerlich, weil die erste Runde sowieso ziemlich spät starten sollte. Auch bei der Gruppeneinteilung gab es Unstimmigkeiten: Zwei vereinslose Teilnehmer gaben eine falsche DWZ an, einer „irrte“ sich gar um stolze 416 Punkte.

Auftakt mit zwei Niederlagen

In der ersten Partie bekam ich Schwarz und einen Stellungstyp aufs Brett, den ich bislang nicht verstehe. Die Partie war im Grunde ausgeglichen mit wechselnden leichten Vorteilen, bis ich im Zuge völliger geistiger Umnachtung einen Bauern schlug, den ich nun wirklich nicht schlagen konnte. Die Dame ging verloren und die Partie war gelaufen. Dafür kam ich wenigstens früher ins Bett.

Am nächsten Morgen startete ich die Vorbereitung mit insgesamt 300 Taktikaufgaben der Kategorien „leicht“ und „mittel“, bevor ich mir zum Wachwerden ein ausgiebiges Frühstück gönnte.

Taktik war dann in der zweiten Partie leider nicht gefragt. Mein Gegner spielte das Londoner System und ich erlangte leichten Vorteil, musste später aber der verkürzten Bedenkzeit Tribut zollen. Kurz vor dem 40ten Zug verspielte ich einen wichtigen Bauern und musste somit auch noch ein schlechteres (verlorenes) Endspiel spielen. Fast erreichte ich zwar noch das Remis, doch wie so oft entschied am Ende ein Tempo.

Besinnung auf das Gelernte

Wenig später ging es nach kurzer Pause in die dritte Partie – diesmal endlich mit Weiß. Ich erlangte frühen Vorteil, entschied mich dann aber gegen ein Figurenopfer und verblieb stattdessen im „Plus-Equals-Mode“ (John Nunn) mit einem Mehrbauern gegen das Läuferpaar. Etwas überraschend tauschte mein Gegner dann seine Läufer gegen meine Leichtfiguren, wodurch ein Turmendspiel entstand mit dem Mehrbauern auf meiner Seite. In einer kritischen Stellung gab ich schließlich meinen Freibauern für das Motiv der „Bauern, die von selber laufen“ (Dvoretsky) und gewann dadurch die Partie.

Die weißen Bauern sind nicht aufzuhalten.

Den Samstag Abend konnte man frei nutzen. Im letzten Jahr waren wir im „Wiekhaus 45“ direkt auf der Stadtmauer. Dieses Jahr verzichtete ich aber, freute mich aufs Frühstück und hielt mich stattdessen an Magnus Carlsens Vorbereitung für die Weltmeisterschaft.

„Eat well, sleep well, prepare well, play well.“

Magnus Carlsen

Mein Gegner der vierten Runde schien dann ein wenig müde. Ich kannte die Motive der Eröffnung besser und konnte ihn strategisch überspielen. Auf einen positionell zweifelhaften Zug fand ich ein korrektes Figurenopfer, das er aber nicht annahm. Das Finish kurze Zeit später war sehenswert. Hier machten sich die 300 Blitztaktiken vom Vortag bezahlt, denn den Gewinnzug erkannte ich im Bruchteil von Sekunden mit all seinen Auswirkungen. Meinem Gegner blieb nur die Aufgabe.

In der letzten Runde bekam ich wieder Schwarz und eine Eröffnungsvariante, in der ich mich auskannte. Ich machte die Partie scharf und rechnete fehlerfrei. Als die Stellung verwertbar war fand ich die richtige Fortsetzung, ermöglichte einen Damenschwenk zur h-Linie und entdeckte auch den stillen Zug, der mindestens den Figurgewinn erzwang. Am Ende entstand sogar ein hübsches Mattbild.

Fazit

Insgesamt also 3 Punkte aus 5 Partien, womit ich prinzipiell zufrieden bin. Das Turnier selber ist trotz kleiner Pannen im Ablauf auch für die Zukunft sehr empfehlenswert.

Johannes Tschernatsch vom USV Potsdam gewann das Turnier sehenswert mit 4 Siegen aus 5 Partien.