DSAM Darmstadt: Michel qualifiziert sich erneut fürs Finale

(Bericht von Michel)

Vergangenes Wochenende fand das 7. und letzte Qualifikationsturnier zur DSAM 2018/19 in Darmstadt statt. Obwohl ich mich kurz vor Weihnachten in Dresden bereits für das Finale qualifiziert hatte, fuhr ich als einer von drei Brandenburger Spielern hochmotiviert zum Turnier. Für mich war es mittlerweile die 6. Teilnahme an einer DSAM Qualifikation. Die Möglichkeit als Amateurspieler in einem 4 Sterne Hotel unter Topbedingungen professionell Schach zu spielen, lockte viele Spieler in die Stadt im Rhein-Main-Gebiet. Die DSAM Darmstadt sollte nach Potsdam das Turnier mit der höchsten Teilnehmerzahl der Saison werden.

Ich kämpfte in der D-Gruppe im Best Western Hotel Plaza Plus mit 83 weiteren Spielern um die Platzierungen. Auffällig war diesmal, dass das Teilnehmerfeld auf 4 Spielsäle verstreut war und es keinen wirklichen Hauptsaal mit Soundanlage gab. So wirkte das ganze Turnier irgendwie nicht so professionell wie gewohnt. Es ertönte also zum ersten Mal kein „One Night in Bangkok“ vor jeder Runde aus den Boxen. Das Personal vom Hotel wirkte zwar bemüht, war aber hinsichtlich des Caterings und auch der Sauberkeit der Sanitäranlagen ziemlich überfordert. Dennoch tat dies der positiven Grundstimmung keinen Abbruch und es wurde ein schönes Turnier ohne irgendwelche nennenswerten Vorfälle.

Erfolgreicher Start

Der erste Spieltag am Freitag wurde für mich ein Auftakt nach Maß. Die erste Runde spielte ich mit Schwarz und geriet nie wirklich in Bedrängnis. Nachdem ich eine Stellung aufs Brett brachte, wo meinem Gegner das klassische erstickte Matt drohte, musste er seine Dame für meinen Springer und Turm geben. Ich stellte seine restlichen Figuren kalt und suchte den Gewinnweg, welcher darin bestand, den König übers komplette Brett zu ziehen, um einen Bauern nach dem anderen abzutragen.

In Runde 2 verteidigte mein Gegner sehr gewissenhaft und ich geriet kurz vor der Zeitkontrolle in Probleme. Ich wollte zuviel, so dass ich mir fast die Dame einsperren ließ und mein Gegner unnötigerweise ins Spiel kam. Da die Zeitnotphase aber auch ihm zu schaffen machte, zockte ich und hatte das Glück auf meiner Seite. Im 40. Zug fesselte ich mit meinem Turm seine Dame und er gab auf.

Am Spitzenbrett

Am zweiten Tag fand ich mich erstmals an Brett 1 wieder. Es wurde ein spannendes und ausgeglichenes Spiel bis ich eine dreizügige Taktik sah, die einen Qualitätsgewinn brachte. Leider schaffte ich es in den verbleibenen 3 Minuten vor der Zeitkontrolle nicht, den Weg zur Vorteilssicherung zu finden. So kam es zur 3 maligen Stellungswiederholung und der Remisreklamation meines Gegners.

Aber Glück und Pech gleichen sich erfahrungsgemäß im Schach irgendwann aus. Es passierte gleich in der 4. Partie. Irgendetwas sagte mir, dass mein Gegner einen Zug viel zu schnell ausführte, welches der Komplexität der Stellung nicht entsprach. Und siehe da, er hatte einen Turm eingestellt. Den Sieg konnte ich dann eindrucksvoll mit einem Springeropfer einleiten, dem eine dreizügige Mattkombination folgte. Zufrieden stellte ich fest, dass ich mich auf Platz 2 der Rangliste wiederfand und mein Ergebnis von Dresden eingestellt hatte. Ich hatte jetzt ungeschlagen 3,5 Punkte aus 4 Partien. Die letzte Partie am Sonntag sollte also die eventuelle Zugabe sein.

Ehrung durch das DSAM-Team

Zugegeben… man muss schon etwas verrückt sein, wenn man seinen Geburtstag am Schachbrett fernab der Heimat verbringt. Aber dieses Mal war es so. Ich wurde vom DSAM-Team auf das Herzlichste mit einer Flasche Wein geehrt. Noch etwas zerknüllt von der Zeitumstellung und gerührt vom Applaus und Gratulationen meiner Brettnachbarn versuchte ich ins Spiel zu finden.

Ich hatte mich auf meinen Gegner sogar eröffnungsmäßig vorbereitet und weiß bis jetzt nicht, warum ich etwas anderes gespielt habe. Danach tat ich mich schwer die Konzentration zu halten und berechnete einen Bauerngewinn im Zentrum, übersah dabei aber eine einfache Taktik, die meinem Gegner einen Qualitätsgewinn brachte. Zwar versuchte ich noch zu tricksen, aber mein Gegner sah das anvisierte Dauerschach und tauschte clever die Damen, so dass ich aufgeben musste. Schade, dass ich gerade an meinem Geburtstag die kläglichste Partie des Turniers spielen musste.

Erneute Qualifikation

Erfreulich war, dass ich in der Reihe der neun Spieler mit 3,5 Punkten die beste Buchholzwertung hatte und so erneut die Qualifikation mit einem 7. Platz schaffte.

Also konnte ich zufrieden und mit einem versöhnlichen Ende den Heimweg antreten.

Foto von der Siegerehrung der D-Gruppe

Alle Ergebnisse des Turniers