Michel bei der DSAM in Düsseldorf

Kurz vor Weihnachten nahm ich den Flieger von Tegel nach Düsseldorf um am zweiten Qualifikationsturnier der DSAM Saison 2019/2020 teilzunehmen.

Das Turnier fand erstmalig in der schönen Metropole am Rhein statt und so fiel mir die Entscheidung zur Teilnahme unter verschiedenen Gesichtspunkten relativ leicht. Zum einem hatte ich es mir als Ziel gesetzt, alle angebotenen Standorte irgendwann mindestens einmal gespielt zu haben. Zum anderen war ich auf Grund meiner Elozahl erstmalig berechtigt in der C-Gruppe anzutreten. Ich widerstand also der Versuchung, in der D-Gruppe, wie in der letzten Saison, um die Preise mitzuspielen. Außerdem erhoffte ich mir einen größeren Lerneffekt für mein Spiel und ich wollte generell wissen, wie gut ich hier mithalten kann.

Das Hilton in Düsseldorf bot perfekte Voraussetzungen für ein Turnier dieser Größe. Es sollte mit fast 600 Spielern, das bisher größte DSAM Turnier der Geschichte werden. Alle Spieler des Turniers spielten in einem riesengroßen, optisch beeindruckenden Saal.

Der Spielsaal in Düsseldorf

Ein holpriger Start

Ich sollte es bei diesem Turnier mit durchweg zahlenmäßig besseren Spielern zu tun bekommen.

In der ersten Runde konnte ich mir mit Schwarz einen Vorteil in Form eines Bauern erarbeiten, den der Gegner jedoch mit der aktiveren Stellung kompensierte. Es lief relativ gut, bis ich dann versuchte, mit aller Gewalt den Bauern zu halten, anstatt ihn für ein ausgeglichenes Endspiel mit Chancen zurückzugeben. Mein Gegner zeigte mir dann demonstrativ, dass der verteidigende Springer in der Ecke nichts zu suchen hat. Also verlor ich unglücklich die erste Runde.

In der zweiten Partie sollte ein weiteres Kuriosum meiner schachlichen Laufbahn folgen. Ich konnte mit Weiß, nachdem mich der Gegner nicht ein einziges Mal unter Druck setzte, in ein Endspiel Turm + Bauer gegen Turm abwickeln. Hier zeigte sich einmal mehr eine große Baustelle meines Spiels. Es gelang mir nicht, den Vorteil zu verwerten. Ich bot meinem Gegner Remis an, welches er jedoch ablehnte! Er verstand bis zum Schluss nicht, dass ich für jeden Zug ein Inkrement von 30 s dazu bekam. Im 80. Zug reklamierte er auf ZÜ, welches der Schiedsrichter kopfschüttelnd ablehnte. Auch ein weiteres Remisangebot nahm er nicht an.

Meine Mitschriften waren leider zu unsauber, daher traute ich mich nicht, auf Stellungswiederholung zu reklamieren. Also war mein Plan, mit der 50 Züge Regel das Remis trotz Mehrbauern einzufordern. Im 123. Zug bot ich nochmal Remis, welches der Gegner dann akzeptierte. Für diese Unsportlichkeit verweigerte ich dann den Handschlag.

Wärst du doch in Berlin geblieben

Das Personal vom Hilton Hotel tat wirklich sein Bestes, es den Teilnehmern so angenehm wie möglich zu machen. Auch ein opulentes Frühstücksbuffet gehörte zum Aufenthalt dazu. Von sportlicher Ernährung war ich also an diesem Wochenende weit entfernt.

In der dritten Runde kam ich mit Schwarz quasi reversed zu einem Angriff, den ich oft mit Weiß spiele. Mein jugendlicher Gegner mit 1900 Elo kannte ihn nicht. Ich veropferte mich jedoch und der Gegner konnte den Angriff widerlegen. Im 18. Zug gab ich also auf.

Das war die frustrierendste Partie des gesamten Turniers. Ein alter Schlager von Dorthe schoss mir durch den Kopf. („Wärst du doch in Düsseldorf geblieben“) In meinem Fall wäre es, auf den Text angelehnt, wohl besser gewesen, in Berlin zu bleiben, weil ich nie ein guter Schachspieler sein werde. Das wäre demzufolge für Düsseldorf am Rhein das Beste gewesen.

In der 4. Runde spielte ich gegen Königsindisch und mein Gegner erzwang durch entsprechende Abtauschaktionen ein Remis. Mit einem Punkt aus 4 Partien fühlte ich mich nicht gerade glücklich. Gott sei Dank war ein Eiswürfelautomat vor meiner Zimmertür und ich konnte mich abends mit ein paar Drinks trösten. Nebenbei drückte ich dann den wenigen Brandenburger Spielern die Daumen und natürlich Rafaels Bruder, der ebenfalls angereist war.

Kein schnelles Remis in Runde 5

In der letzten Runde bekam ich es mit einer netten Gegnerin mit einem Doktortitel in Chemie zu tun. Nach einem kurzen Plausch und ein paar Zügen testete ich dann, ob sie evtl. früh nach Hause möchte und bot Remis an. Aber sie wollte weiterspielen.

Als sie nur noch 2 Minuten und ich 4 Minuten auf der Uhr hatte , schätzte sie meine Stellung besser ein und bot Remis. Ich fand ihre Stellung besser und nahm an. Somit erzielte ich bei meiner achten Teilnahme an einem DSAM Qualifikationsturnier das schlechteste Ergebnis. Trotzdem verlor ich nur 12 DWZ Punkte, was einmal mehr zeigte, wie stark die Gegner waren. Ich nahm mir also vor, beim folgenden Turnier in Potsdam das Ergebnis zu verbessern.

Fazit

Düsseldorf war spitzenmäßig organisiert und es hat trotz meiner schlechten Leistung großen Spaß gemacht.