Lennard gewinnt in Leegebruch

Menschen, die sich neben dem Genuss von Schachliteratur auch gerne mit Literatur im Allgemeinen befassen, ist das Tautogramm als Stilmittel sicher geläufig. In diesem Zusammenhang wäre es spaßig gewesen, wenn Lennard vom Ludwigsfelder SC in Leegebruch in der L-Gruppe gespielt hätte. Schlussendlich wurde unser Nachwuchsspieler dann jedoch in der P-Gruppe aktiv.

Das Leegebrucher Winterturnier fand wie jedes Jahr am zweiten Samstag im Januar des neuen Jahres statt. 96 Schachspieler aus Berlin und Brandenburg trafen sich zum 11. Jubiläum des DWZ Tagesturnieres und kämpften in 24 Gruppen um die Plätze. Der Austragungsort des Turnieres war zum wiederholten Male die Pestalozzi Grundschule in Leegebruch.

Die Schulleiterin und auch der Bürgermeister richteten nette Begrüßungsworte an die Anwesenden. Dann wurde das Wort dem Hauptschiedsrichter Nikolas Nimptsch übertragen, der in gewohnt souveräner Weise sein Team vorstellte und auf die Modalitäten der Veranstaltung hinwies.

In Lennards Gruppe waren auch ein 48-jähriger Spieler vom SK International 2010 Berlin und zwei Kinder ähnlichen Alters wie Lennard, die von den renommierten Schachvereinen TSG Oberschöneweide und SC Weisse Dame Berlin stammten. Es sollte also keine leichte Aufgabe für unseren Spieler werden.

Schachmatt in der ersten Runde

Die teilweise doch sehr stark schwankenden Leistungen sehr junger Spieler konnte man in dieser Gruppe sehr gut beobachten. Lennard kam gut aus der Eröffnung und gab nach etwas ungeduldigem Spiel das starke Läuferpaar gegen das schwache gegnerische Springerpaar.

Eine einzügige Taktik hätte ihm die Qualität und vermutlich den Sieg gebracht. Leider agierte er in dieser Partie unglücklich und nutzte die Bedenkzeit nicht aus. Auf den vermeintlichen Leichtfigureneinsteller des Gegners fiel er leider herein und ließ sich Matt setzen.

Es war also ein katastrophaler Start, der einiges an ruhigen Motivationsgesprächen erforderte, um Lennard wieder aufzubauen.

Mut und Übersicht wurde belohnt

In der 2. Runde agierte er dann gegen den erwachsenen Gegner wie ausgewechselt, spielte eine starke Eröffnung und opferte sogar mutig den Läufer auf h7. Auch wenn er es vermutlich nicht bis zum Ende durchrechnen konnte, war der Angriff sehr stark und der Gegner hätte eine Reihe einzig richtiger Züge spielen müssen, um hier noch zu bestehen.

Lennard setzte alles auf eine Karte, kämpfte wie ein Löwe und riss mit einem weiteren Qualitätsopfer die Stellung komplett auf. Als dem Gegner in höchster Not noch die „Einkesselung“ der Dame drohte, gab dieser entnervt auf. Nach der folgenden Analyse, in der ich einfach feststellte, dass manch ein 1700er Spieler, mich eingeschlossen, die Stellung nicht hätte durchrechnen können, erreichte Lennards Selbstbewusstsein eine neue Dimension.

In der 3. Runde spielte er sicher eine relativ unbekannte und unorthodoxe Variante gegen 1. e4 und zwang seine Gegnerin zum intensiven Nachdenken. Das gipfelte darin, dass sie nach 15 Zügen nur noch 10 min Restbedenkzeit für weitere 15 Züge hatte. Sie wurde nervös und Lennard behielt eiskalt die Übersicht. Er sperrte erst einen Läufer ein und dann folgte im Anschluss eine zweizügige Taktik, die eine weitere Qualität gewann. Zusammengefasst hieß das, dass seine Gegnerin mit einem ganzen Turm weniger zurückblieb und keinen Angriff hatte. Also gab sie auf.

Als Krönung des Turnieres entschied dann die Feinwertung, dass kein weiterer Stichkampf erforderlich wäre. So wurde Lennard bei seiner dritten Teilnahme in Leegebruch zum 2. Mal nach 2018 Gruppensieger in seiner Gruppe. Mein Dank geht an die Leegebrucher Schachfreunde und alle Helfer, die dieses tolle Turnier immer wieder ermöglichen.

Alle Ergebnisse des Turniers