Sieben Siege und ein Remis

Unser drittes Punktspiel fand am 06.03.2022 bei der zweiten Mannschaft der SG Lok Brandenburg statt. Wie jedes Jahr spielten wir in der Technischen Hochschule Brandenburg: Die Räume in der TH Brandenburg bieten viel Platz zum Spielen und Analysieren.

Mit guter Laune und guten Vorsätzen wollten wir wieder alles geben – denn wir waren uns einig, dass wir das vorab geschossene Mannschaftsfoto mit einem Spielbericht über einen Mannschaftssieg veredeln wollten.

Zum ersten Mal in dieser Saison konnten wir mit unserer Stammbesetzung spielen. Die SG Lok Brandenburg trat hingegen etwas ersatzgeschwächt an und musste Ausfälle einiger Stammspieler verkraften, wodurch wir vor allem an den hinteren Brettern besser aufgestellt waren als die Gastgeber. Die Voraussetzungen, den beiden bisherigen Siegen gegen SV Werder/Havel und SV Hellas Nauen noch einen weiteren hinzuzufügen, waren also gut.

Zur Eröffnung wünschte man allseits „friedliche Kämpfe“ – ein Wunsch, den wir gerne weitertragen.

Frühe Materialvorteile und Mattangriff

Schon früh zeigte sich, dass der Wettkampf wohl zu unseren Gunsten entschieden werden würde. Es waren kaum die Eröffnungen gespielt, da waren an drei Brettern bereits wesentliche Materialvorteile zu sehen und an einem vierten Brett begann ein aussichtsreicher Königsangriff. Zugleich waren wir – zu dieser Zeit – an keinem Brett ernsthaft gefährdet.

Mit dieser Sicherheit im Hinterkopf konnten wir ungehindert aufspielen – doch der Reihe nach.

Hagen setzt matt

„Meine Partie war nicht groß aufregend.“

Hagen erzeugt Spannung

Hagen spielte mit Schwarz an Brett 8 und entschied die erste Partie des Tages für uns. Bereits nach sechs Zügen gewann er den ersten Bauern, und ab da ging es aus Hagens Sicht für seine Gegnerin „kontinuierlich den Bach runter“. Doch sie kämpfte mutig weiter und stellte Drohungen auf, versuchte es mit einem Angriff gegen das Feld h7.

Er nahm ihre Drohungen ernst, parierte die Gegenwehr – und krönte seine Partie mit einem schönen Läufer- und Springermatt.

Das Mattmotiv: Der Fehler g3?? schwächt die weißen Felder und …Sh3 führt einzügig zum Matt.

Thilo gewinnt Springer und Partie

Thilo hatte nach der Eröffnung zunächst noch eine ausgeglichene Stellung auf dem Brett. Doch schon kurz danach stellte sein Gegner überraschend einen Springer ein. Thilo tauschte Figuren ab und bekam zusätzlich noch einen Freibauern auf der e-Linie. Zwar verzichtete er nun darauf, weiteres Material zu gewinnen, schaffte es aber im Nachhinein, sein möglicherweise leicht sorgloses Spiel mit einer „Es war genau so geplant!“-Kombination zu rechtfertigen.

Schließlich hatte sein Gegner keine sinnvollen Züge mehr: Der Freibauer drohte durchzulaufen und Thilo gewann durch Aufgabe seines Gegners.

„Die Partie lief eigentlich ganz gut.“

Thilo

Reiko bestraft Passivität seines Gegners

Auch unser Mannschaftsleiter Reiko spielte eine gute Partie. Schon in der Eröffnung kannte er sich besser aus als sein Gegner, der einen sehr, sehr passiven Aufbau wählte. Reiko stellte seine Figuren auf gute Felder und arbeitete kontinuierlich seine Vorteile heraus, bis er auch materiell ein so starkes Übergewicht erzielt hatte, dass sein Gegner keine Chance mehr hatte.

Kurt sichert Mannschaftssieg

Bei Kurt lief zunächst auch alles glatt: Bald nach der Eröffnung war er bereits mehrere Bauern im Vorteil. Doch sein Gegner machte es richtig und verteidigte offensiv, generierte Chancen am Königsflügel mit Angriff gegen Kurts König.

Der Vorteil schwand – und der Ausgang der Partie war längst nicht mehr so klar, wie es zeitweise schien. Dem Partieverlauf folgend bot Kurts Gegner Remis, das dieser akzeptierte: Angesichts der Situation an den anderen Brettern war ein Remis, das den Mannschaftssieg garantierte, eine sichere Entscheidung.

Michel mit mächtigem Mattangriff

Michels Partie war eine der Partien, in der schon früh ein Vorteil für uns erkennbar war, da er einen guten Angriff gegen den gegnerischen König aufs Brett bekam. Kurz darauf war bereits ein attraktives Springeropfer Teil der Stellung, doch sein Gegner war noch nicht gezwungen, das Opfer anzunehmen. Richtigerweise entschied sich Michel dafür, den Angriff zunächst noch weiter zu verstärken, denn sein Gegner konnte schwerlich weitere Figuren in die Verteidigung beordern und Gegenspiel war nicht in Sicht.

Dann schlug Michel zu – und auch wenn sein Angriff nicht sofort im Matt endete, gewann Michel immerhin drei Bauern und dadurch auch die Partie.

„Drei Bauern mehr ist gleichwertig zum Matt.“

Fragwürdige Schachweisheiten

Frank mit taktischem Überblick

Frank drohte schon aus der Eröffnung heraus mit Materialgewinn und stellte seinen Gegner zunehmend vor Probleme. In dieser lange Zeit sehr taktischen Partie behielt er den Überblick und stand durchgehend besser. Obwohl sein Gegner sich nach Kräften mühte, den drohenden Materialverlust zu vermeiden, gelang dies nicht und Frank kam zu verwertbarem Vorteil, den er souverän in einen Sieg verwandelte.

René gegen Gegenspieler und Uhr

Nun waren nur noch die beiden vorderen Bretter mit ihren Partien beschäftigt. Beide spielten wieder einmal jeweils gegen „2 Gegner“, nämlich gegen den Gegner am Brett und gegen die Uhr daneben.

René tat sich zunächst noch schwer mit seiner Partie, allerdings ohne dabei selbst in Schwierigkeiten zu geraten. Doch je länger die Partie dauerte, desto größer wurden seine optischen Vorteile, und mit der zunehmenden Zeitknappheit gesellten sich Ungenauigkeiten und Fehler in die Partie. Damit ergaben sich jedoch zugleich auch Chancen. René entwickelte eine Gewinnidee, und als sein Gegner ein kritisches Schach übersah, entschied René den Kampf gegen Gegenspieler und Uhr für sich.

Rafael mit wenig Zeit

Die Partie von Rafael dauerte heute am längsten. Gegen einen nominell schwächeren Gegner geriert er ein wenig ins Schlingern. Statt auf Vorteil oder Gewinn spielte er im Grunde durchgehend auf Kompensation mit einem Beinahe-Minusbauern, gegen den er die Vorteile des Läuferpaars ins Feld warf.

„Ein schreckliches Hin und Her mit ausgelassenen Chancen auf beiden Seiten.“

Rafael

Zwischendurch verpasste er einen starken Zug, realisierte dies aber noch rechtzeitig und zog ihn wenigstens einen Zug später nach. Kurze Zeit später gelang es ihm, den Königsflügel komplett aufzureißen und mit Läuferpaar, Turmpaar und Freibauerpaar einen Angriff zu generieren, der in ein gewonnenes Läuferendspiel überleiten würde.

Dann begann die mal wieder unnötig spannende Phase, in der Rafael immer wieder auf die Uhr schaute und die Restzeit kontrollierte. Schließlich blieb ihm kaum noch eine Minute, doch glücklicherweise hatte sein Gegner keine herausfordernden Züge mehr. Rafael wartete die 40 Züge zur Zeitkontrolle ab und rückte anschließend einen der Freibauern vor. Die Umwandlung war unaufhaltbar und damit holte auch er den vollen Punkt.

Die Stellung nach dem 36ten Zug. Weiß muss noch vier Züge machen, aber Schwarz hat keine Drohungen: Der Turm ist auf g8 festgenagelt und der Läufer kann die a2-e6 Diagonale nicht verlassen. Auf 36…Txg6 folgt 37.hxg6+ Kg8 38.e7 +-, und auf 36…Le2 folgt 37.Txg8 Kxg8 38.f6. Daher kann Weiß die ausstehenden Züge abbummeln, indem er mit dem König zwischen a1 und b1 pendelt.

Ergebnisse

Somit gewannen wir gegen SG Lok Brandenburg II überraschend hoch mit 7,5 zu 0,5 – viel höher, als wir uns am Morgen noch erhofft hatten. Entsprechend gut war die Stimmung bei der Rückfahrt.

Der Spielberichtsbogen – die Ergebnisse im Einzelnen

Aktuelle Tabelle

Die offizielle Tabelle sieht aktuell sehr chaotisch aus, weil manche Mannschaften bisher erst zwei Spiele hatten, andere drei und einige sogar vier. Nichtsdestotrotz haben wir mit den heute in Brandenburg erspielten 2 Mannschaftspunkten und 7,5 Brettpunkten, auch dank des vorangegangenen Sieges über Mit-Konkurrent SV Hellas Nauen II, unsere Tabellenführung behauptet.

Das nächste Spiel der 1. Mannschaft findet am 20.03.2022 statt: Dann kommt der SV Empor Schenkenberg zu uns ins Waldhaus. Dort gilt es, die Tabellenführung zu verteidigen.

Pl. Mannschaft MP BP Berl.Wrt.
1. Ludwigsfelder Schachclub I 6/6 20.5 88.5
2. SV Hellas Nauen II 6/8 19.5 91
3. Schach-Club Wittstock 6/6 18 71.5
4. ESV Kirchmöser 4/4 12 49.5
5. USV Potsdam III 3/4 9 45.5
6. SV Grün-Weiß Niemegk 2/6 11 49.5
7. Schachclub Havelland 2/4 5.5 26.5
8. SG Lok Brandenburg II 1/8 9 40.5
9. Schachclub Oberkrämer 0/4 6.5 28.5
10. SV Empor Schenkenberg 0/4 5 25
11. SV Werder I 0/6 4 24

Bericht von René und Rafael