Rafael gewinnt auch in Magdeburg

Genau eine Woche nach dem grandiosen Turnier in Korbach wurde vom 10.10.2019 bis zum 13.10.2019 das 27. Magdeburger Open 2019 ausgetragen.

Da vom Turniermodus her ähnliche Bedingungen geboten wurden wie in Korbach, nutzte ich auch in diesem Jahr die Chance gleich im Anschluss das nächste stark besetzte Turnier mitzuspielen. Diesmal ohne besondere Ambitionen: Denn so ein starkes Turnier wie in Korbach spielt man nur einmal im Jahr. Aber natürlich wollte ich die Leistung nach Möglichkeit bestätigen.

Besondere Turnierbedingungen

Anders als bei Turnieren im Schweizer System normalerweise üblich zählte in Magdeburg die Turnierleistung als einzige Zweitwertung anstelle der Buchholzpunkte. Auf mich persönlich wirkt das fairer, ist es doch eine direktere Aussage über die Stärke der Gegner als die indirekte Wertung über Buchholz und Buchholzsumme. Nur mit dem „Bye“, das in den ersten vier Runden genommen werden durfte, harmoniert das nicht so ganz.

Ein Verbesserungsvorschlag wäre, dass man für jeden Spieler ausgehend von der selben DWZ einen hypothetischen DWZ-Gewinn (oder Verlust) berechnet und diesen als Wertung heranzieht. Dann spielt nämlich auch die Anzahl der tatsächlich gespielten Partien eine Rolle und der Zweitwertungsvorteil durch ein strategisches „Bye“ entfällt.

Gute Organisation des Turniers

Die Organisatoren des 27. Magdeburger Opens haben sich alle denkbare Mühe gegeben und das Turnier blitzsauber über die Bühne gebracht. Auch das Verpflegungsangebot war top und wurde dankend in Anspruch genommen.

Mit dem Hegel-Gymnasium hat man einen gut gelegenen und gut ausgestatteten Austragungsort für das Magdeburger Open. Platz ist hier mehr als genug und auch die sanitären Einrichtungen sind sauber und in ausreichender Zahl vorhanden: Keineswegs selbstverständlich! Einzig die Lautstärke war ein Problem. In der Aula der Schule, wo die Partien stattfanden, war es durchgehend laut. Ich kannte das schon aus dem letzten Jahr und habe deswegen Ohrenstöpsel mitgebracht – damit ging es. Mir wurde aber später gesagt, dass ich deswegen das ein oder andere Remisangebot überhört habe.

Ausgleichssport nach den Partien war anders als die Woche zuvor in Korbach diesmal nicht so recht möglich. Die Innenstadt von Magdeburg lädt einfach nicht dazu ein. Daher blieb mir nichts anders übrig als mich zunächst auf die Partien zu konzentrieren.

Weitergemacht wo aufgehört

Noch „Voll im Fokus“ und ohne spezielle Vorbereitung machte ich also einfach da weiter wo ich in Korbach aufgehört hatte.

Mein erster Gegner hatte gleich mal über 2100 TWZ. Es kam eine Variante aufs Brett, die ich gerade erst letzte Woche gespielt hatte. Mein Gegner zog schnell und gab sich beste Mühe zu behaupten, dass er Bescheid wüsste. Aber – nein. Er hatte keine Ahnung. Er wählte dann einen Plan, der strategisch gewiss zweifelhaft ist und ich bemühte mich um Aktivität. In den entstandenen Komplikationen verlor er die Übersicht, patzte – und dann war es plötzlich Matt in vier.

Ein nicht ganz klares Damenendspiel

In der zweiten Partie geriet ich in die passivere Stellung, konnte aber in ein ausgeglichenes Endspiel abwickeln. Im 40ten Zug musste ich mich dann schnell entscheiden und wählte das falsche Feld für meinen Springer – mein Gegner stand kurzzeitig auf Gewinn, sah aber seine Chance nicht und zog ebenfalls fehl. Kurz darauf patzte er. Froh, der Gefahr entronnen zu sein, bot ich Remis, das er nicht ablehnen konnte.

Die Endstellung ist nicht ganz einfach zu bewerten. Mein Gegner war nach der Partie der Meinung ich müsste das weiterspielen und damit hat er auch recht – man sollte es zumindest versuchen. Ich hatte in den wenigen Minuten, die ich über die entstehende Stellung nachdenken konnte, vermutet, dass er eine bestimmte Verteidigung hat und dass ich zum Gewinn – sollte denn einer da sein – selber auch einige genaue Züge machen muss. Ein mögliches Tempoendspiel wollte ich mit weniger Bedenkzeit auf der Uhr vermeiden und das Remis war okay für mich.

Weiß zog gerade 44.g5?? und nach 44…Lxg5 bot ich Remis. Es gibt einen Gewinn für Schwarz, der aber nicht einfach ist.

Ungleiche Materialverhältnisse

Den vermeintlich leichtesten Gegner mit „nur“ 1900er TWZ bekam ich in Runde 3. Daher quälte ich mich und ihn auch in einem objektiv remisen Mittelspiel, das allerdings für Weiß nur schwer zu verlieren ist. Eine ähnliche Stellung hatte ich z.B. beim Ludwigsfelder Herbstturnier auf dem Brett. Diesmal wollte ich es besser machen.

Mit der Ausgeglichenheit war es vorbei, als ich eine Qualität opferte für drei Bauern. Das sollte jetzt in ferner Zukunft gewinnbar sein! Dann brach mein Gegner am Königsflügel durch. Auch er hatte dabei einen Bauern geopfert und dafür einen weit vorgerückten Freibauern am Rand erhalten. Meine einzige Chance: Ich musste es schaffen mit meinem Springer – nicht mit dem Turm! – den Bauern zu schlagen. Also überführte ich den Springer mit Tempogewinn von einem Rand zum anderen. Dann wickelte ich ab: Ich opferte auch noch den Springer, um ein Endspiel mit drei verbundenen Freibauern gegen einen Turm zu erhalten, das aufgrund der Königsstellung gewonnen ist.

Dieses Endspiel ist elementar gewonnen für Weiß.

Bedeutungsvolles Rematch in Runde 4

In der vierten Partie bekam ich Philipp Richter aus Leipzig zugelost. Dieses Duell hatten wir schon einmal vor zwei Jahren in Falkensee. Seitdem wusste ich um seine Stärke und wenn es irgendeinen Gegner gab, gegen den ich nicht unbedingt antreten wollte, dann war das er.

Doch diesmal endete die Partie schnell. Philipp kannte sich aus, natürlich, aber er weigerte sich zu rochieren und in diesem Fall kannte ich das entscheidende Motiv. In den Komplikationen stellte er eine Figur ein und die Stellung gab für ihn auch nichts mehr her. Philipp war wie immer fair und gab auf.

Bis hierhin also 3,5 Punkte aus 4 Partien, was für die nächste Partie Böses erahnen ließ

Match of the Year

„Was immer heute passiert…“

Stresstest für mein Repertoire: In Runde 5 bekam ich mit Schwarz einen norwegischen FM vorgesetzt. Gar keine Frage, dass ich mich innerlich auf das Spiel des Jahres vorbereitete.

Der FM spielte auf Sieg. Ich hielt voll dagegen und wusste wie solche Stellungen zu spielen sind. Wir erhielten ein Turmendspiel. Später wird der FM sagen, dass er dachte, dass vielleicht was geht, aber dass ich es gut gespielt hätte. Ich brach mit einem Freibauern durch, der so stark war, dass er den Turm dafür geben musste. Aber auch ich musste anschließend meinen Turm geben: Remis. Mein Repertoire hielt und ab jetzt war es FM-erprobt. Nach fünf Runden stand ich weiter ganz weit oben und bei einer zwischenzeitlichen Turnierleistung von 2300.

Die Engine wird mir später sogar mehrere verpasste Siege aufzeigen.

Zweiter Stresstest im Anschluss

Gegen Jannis Lange vom Greifswalder SV musste ich erneut verteidigen. Glücklicherweise konnte ich meine Vorbereitung aus der Vorgängerpartie wiederverwerten. Weder Weiß noch Schwarz erlangte jemals einen nennenswerten Vorteil und wir endeten in einem Läuferendspiel, das für keine Seite zu gewinnen war. Also erneut Remis: Der „Ludwigsfelder Wall“ hielt stand.

Nichts zu wollen für niemanden.

Endspiel um die Platzierung

In der letzten Partie entschied ich mich dafür auf Sieg zu spielen. Aller Wahrscheinlichkeit nach hatte ich den Ratingpreis sicher und mit einem Sieg spielte ich um die Plätze 2-4, ein Remis hingegen reichte gerade so nicht für die Platzierungen.

Aber diesmal fehlte mir die Konzentration und meine mentale Vorbereitung war nicht gut. Just als die Stellung verwertbar wurde machte ich einen groben Fehler und stellte einen wichtigen Bauern ein, was zugleich die Partie verlor. Ich spielte noch kurz weiter, aber zu holen war hier nichts mehr.

Lernen von den Meistern

Ich nutzte dann anschließend die Gelegenheit beim IM-Turnier die Partie zwischen IM Michael Kopylov und GM Viesturs Meijers zu verfolgen. Es war sehr beeindruckend, wie der GM mit einem Bauern weniger das Endspiel sauber ins Remis abwickelte. Obwohl er gefühlt alleine für die Zugausführung die 30 Sekunden Inkrement verbrauchte schien seine verbleibende Bedenkzeit dabei nicht weniger zu werden. Meine Erkenntnis also an dieser Stelle: Uhren von GMs laufen grundsätzlich langsamer.

Siegerehrung

„Hard work pays off“

Wie schon in Korbach erreichte ich 4,5 Punkte aus 7 Partien und bestätigte das Ergebnis. In Magdeburg waren meine Gegner jedoch nochmal ein gutes Stück stärker. Mit einer Turnierleistung von offiziellen 2159 DWZ war das 27. Magdeburger Open 2019 mein bisher bestes Turnier. Ich erreichte Platz 10 bei 92 Teilnehmern, gewann (zum letzten Mal!) die Gruppe unter 1900 TWZ und erspielte die beste relative Turnierleistung.

Für meine DWZ und ELO wird das bedeuten, dass ich nach den Auswertungen aus Magdeburg und Korbach einfach mal so von 1800 auf über 1900 springe.

Fazit

Sicherlich werde ich auch im nächsten Jahr erwägen in Magdeburg teilzunehmen. Mit der Lautstärke kann man sich arrangieren und davon abgesehen war es ein wirklich gut organisiertes Turnier mit einem ansprechenden Teilnehmerfeld.

Jetzt werde ich erst einmal eine kurze schachliche Pause einlegen. Das nächste wichtige Turnier ist dann allerdings bereits die Landes-Einzelmeisterschaft am Ende des Monats mit vielleicht nochmal einen Tick stärkeren Gegnern.

Rafael gewinnt in Korbach

Vom 03.10.2019 bis zum 06.10.2019 fand in Korbach das 11. Korbacher Open statt. Wie bereits im vergangenen Jahr nutzte ich die Chance daran teilzunehmen, auch wenn sich der Termin in diesem Jahr mit einigen regionalen Turnieren überschnitt. Jedoch machten es mir die hervorragenden Erfahrungen aus dem letzten Jahr leicht, mich erneut für Korbach zu entscheiden.

Schon allein die Altstadt von Korbach ist die Reise wert.

Vier Tage Leistungssport

Das besonders Attraktive am Korbacher Open ist die Aufteilung der Teilnehmer in drei Gruppen. Dadurch sind mir in der A-Gruppe sieben Partien gegen Gegner meiner Spielstärke oder höher quasi garantiert. Das ist ein riesiger Unterschied zu Turnieren ohne Gruppeneinteilung, wo aufgrund des Hoch- und Runterpendelns bei gleicher Rundenanzahl nur drei oder vier solche Partien zu erwarten sind und die erbrachte „DWZ-Leistung“ entsprechend schwankt.

In Korbach hat man darüberhinaus noch perfekte Turnierbedingungen geschaffen. Dieses Jahr fand das Turnier in der Korbacher Stadthalle statt, an das direkt ein Hotel (leider ausgebucht) und die Schwimmhalle angrenzte. Das ermöglichte es mir und allen anderen Teilnehmern, die Wert darauf legten, nicht nur mit voller Konzentration an die Partien heranzugehen, sondern sich im Anschluss an die Partien auch sofort wieder zu erholen und die Möglichkeit zum Ausgleichssport zu nutzen.

„Recover, recover, recover“

Mein Abendmotto in Korbach

So ergab sich mein Tagesrhythmus quasi von alleine: Aufstehen, Frühstück, Vormittagspartie, dann nach Möglichkeit etwas ausruhen, dann die Nachmittagspartie und anschließend ins Schwimmbad, um die Batterien wieder aufzuladen und fit zu sein für den nächsten Tag.

Maximaler Fokus

Auch sonst bemühte ich mich um maximalen Fokus. Angereist war ich mit dem Vorsatz zu gewinnen, denn so langsam wurde es mal wieder Zeit – ganz unabhängig von der Wahrscheinlichkeit. Ich betrachtete jede Partie für sich und versuchte stets das bestmögliche Ergebnis zu holen ohne Berücksichtigung des Gesamtergebnisses. Nach der Partie war dann sofort Schluss mit Schach und stattdessen Entspannung angesagt, bis es später weiterging mit der nächsten Partie.

Von Ralf habe ich den Ratschlag beherzigt, mich vor den Partien nicht mehr mit Schach zu beschäftigen.

So vorbereitet ging es dann in die sieben Partien des Turniers.

Die ersten beiden Partien

Die erste Partie war das Sinnbild eines kaputten Eröffnungssystems – meine Vereinskollegen wissen wahrscheinlich, welche Eröffnung gemeint ist. Ich spielte mit Schwarz und konnte schön darlegen, warum Weiß so nicht spielen sollte. Dadurch erreichte ich positionelle Dominanz und hatte gar die Zeit für ein sechszügiges Springermanöver, um meine Stellung maximal zu verstärken.

Allerdings entgingen mir an dieser Stelle zwei schöne taktische Motive, die für einen Sieg wohl relevant gewesen wären. So führte die Abwicklung zu nicht viel und als die Partie auch aufgrund der Zeitsituation für beide Seiten zu einem Glücksspiel wurde einigten wir uns schließlich auf Remis.

In der zweiten Partie spielte ich mit den weißen Steinen und erreichte eine vielversprechende Stellung, allerdings ohne etwas Zwingendes für mich. Dennoch verbrauchte mein Gegner bereits fast seine komplette Bedenkzeit – aber er muss Gespenster gesehen haben. In dem folgenden Schwerfigurenendspiel verlor ich dann blöderweise mehrfach die Übersicht und mir blieb nur die Aufgabe.

Extrem lange Abendpartie

Die Eröffnung der zweiten Partie spielte ich mit Schwarz etwas unambitioniert. Es kam zum Damentausch und das folgende Mittelspiel war komplett ausgeglichen. Hier aber brachte ich eine gewisse Mentalität ein, die neu für mich war und über die man gerne Schmunzeln darf.

„Der hat ja nur 1800 DWZ, also wird er noch seine Fehler machen.“

Ich fand mehrere taktische Motive in der Stellung, die zu dieser Zeit zwar noch nicht möglich waren – aber einige Züge später dann doch. Dadurch gelang mir ein Bauerngewinn und kurz darauf akzeptierte ich gerne die Abwicklung in ein Endspiel mit gleichfarbigen Läufern in der Absicht, den Mehrbauern zu verwerten.

Das Endspiel erforderte sehr genaues Spiel, viel konkretes Rechnen und es dauerte ewig. Erst als die Bauern am Damenflügel alle getauscht waren und die Läufer auch, war endgültig klar, dass das entstandene Bauernendspiel leicht gewonnen war und ich holte den Punkt.

Und noch ein langes Endspiel

Meine zweite Weißpartie verlief zunächst genau nach Plan. Ich erreichte eine strategisch vorteilhafte Stellung und parierte die Drohungen des Gegners. Dann verrechnete er sich und verlor nicht nur einen Bauern, sondern bekam auch das schlechtere Endspiel: Ich hatte Dame und Springer gegen Dame und Läufer, der Springer stand zudem aktiv.

Statt auf Matt zu gehen, was vielleicht möglich gewesen wäre, wählte ich den vermeintlich einfacheren Gewinnweg mit einem Freibauern. Jedoch stand meine Dame nun kurzzeitig abseits, was meinem Gegner bessere Chancen auf ein Dauerschach ermöglichte. Es zeigte sich, dass diese Abwicklung keineswegs so einfach war wie angenommen…

Dann stand er tatsächlich kurz vor dem Dauerschach. Ausgerechnet im 40ten Zug musste ich dann die Entscheidung treffen: Stellungswiederholung oder Springeropfer? Aber ich hatte schon zuvor daran gerechnet und einen Zug vor der Zeitkontrolle opferte ich die Figur zugunsten eines Tempos für meinen Freibauern.

Die entstandene Stellung war ein bisschen absurd und entbehrte nicht einer gewissen Komik. Zuvor hatte mein Gegner noch Dauerschachideen, jetzt aber hielt mein König seine Dame in Schach. Zwar gab es grobe Mattideen für ihn, aber diese funktionierten nicht. Im Zweifelsfall wäre sein Läufer genau ein Tempo zu langsam, um den Freibauern aufzuhalten und in manchen Varianten konnte ich gar den Freibauern opfern, um einen zweiten durchzuschieben. In der Folge wandelte ich den Freibauern um und weil mit der Doppeldame sogar Matt nicht zu vermeiden war resignierte mein Gegner.

Ein Remis, mit dem ich zufrieden sein muss

In der fünften Partie geriet ich gegen einen Jugendlichen ziemlich unter Druck. Ich denke, dass ich hier einige Motive und Ideen nicht korrekt gespielt hatte. Als ich aber abwickeln konnte in ein Springerendspiel, in dem ich zumindest temporär einen Mehrbauern auf dem Brett hatte, bot ich Remis, das mein Gegner akzeptierte.

Nach den langen Partien zuvor war ich froh, dass zumindest das Springerendspiel an mir vorüberging. In dem Moment hatte ich nämlich wirklich keine Lust dieses auch noch zu rechnen.

Ein andermal vielleicht.

Dänischer Sonntag

Am Sonntag bekam ich es mit zwei Dänen zu tun. In der Vormittagspartie geriet ich in eine schlechtere Stellung und wickelte dann sogar noch in ein Doppelturmendspiel ab, das mit Schwarz recht einfach zu gewinnen ist. Aber nach ein paar falschen Zügen meines Gegners war es dann doch nicht mehr so einfach. Ausgerechnet wieder kurz vor dem 40ten Zug hatte ich die Wahl: Bauernendspiel oder Turm und Läufer oder nur ein Turmendspiel? Das Bauernendspiel gefiel mir nicht. Mit Läufer und Turm vermutete ich zu gute Chancen für ihn. Vom Turmendspiel war ich zwar auch nicht überzeugt, aber:

„Turmendspiele sind alle remis.“

Und einige Züge später, als es einigermaßen solide aussah, bot ich dann auf Verdacht hin Remis, das er mit einem dänischen „Yes!“ auch akzeptierte.

Eine irrsinnige letzte Partie

Die letzte Partie war krass.

Ich war wieder Weiß. Die Stellung, die ich aus der Eröffnung heraus erreichte, war nicht nur gut, sondern sehr gut. Mein Bauernsturm drohte bereits die Partie vorzuentscheiden und seinem Läufer gingen die Felder aus. Mein 16ter Zug sollte irgendwas gewinnen – entweder den Läufer oder einen Bauern und die Stellung. Mein Gegner gab lieber den Läufer. Zwar war er nicht komplett ohne Gegenspiel, aber eigentlich – objektiv – hatte er keine Drohung mehr und somit einfach einen Läufer weniger.

„Gewonnen ist die Partie erst, wenn der König liegt“

Eine meiner harten Lehren aus der Vergangenheit

Doch mir wurde klar, dass er nicht aufgeben würde: Nicht so bald und wahrscheinlich überhaupt nicht. Also verdrängte ich alle derartigen Gedanken und konzentrierte mich nochmal ganz auf die Partie. Und zwar stundenlang! Ständig versuchte er Drohungen aufzustellen mit seiner Dame, da mein König unsicher stand. Immer wieder. Ich baute Mattdrohungen auf, aber wieder drohte er mit Dauerschachs. Musste ich etwa wirklich noch meine verbundenen Freibauern durchschieben?

Irgendwann machte er vielleicht einen Fehler. Ich überlegte meinen Turm zu opfern und dann die Dame zu tauschen, denn die Bauern waren bereits auf der fünften und der sechsten Reihe und ich hatte auch noch den Läufer. Das musste doch reichen!

Das überraschende 46.Txh6+ gxh6 47.Dc3+ Dxc3+ 48.Kxc3 gewinnt dank der starken Freibauern.

Trotzdem entschied ich mich stattdessen dafür, das Material zu verwalten. Ich musste hier nichts riskieren. Wieder die Drohungen mit dem Dauerschach und ich zog auch noch meinen Turm zurück. Jetzt stand mein König endlich sicher! Dann folgte c7 und dann, endlich, opferte ich den Turm, um den Bauern umzuwandeln. Und das reichte wirklich. Ich hatte nicht mehr damit gerechnet, aber endlich gab mein Gegner auf. Was hatte der für einen Widerstand geleistet!

Die Endstellung der Partie.

Siegerehrung

Mit 4,5 Punkten aus 7 Partien gegen 2000er TWZ gewann ich die Ratinggruppe 1800-2000 TWZ. In der Endrangliste belegte ich Platz 12 bei 77 Teilnehmern und Startrang 57. Mit den ganzen GMs zusammen auf der Bühne zu stehen hatte was. Daran könnte man sich gewöhnen… 😉

Fazit

Wer in Korbach nicht mitspielt und die hervorragenden Turnierbedingungen nicht nutzt sowie die Möglichkeiten drumherum, der verpasst etwas. Ich fahre gewiss auch nächstes Jahr wieder hin und wer mitfahren möchte darf sich gerne melden.

Ein großer Tag für den Schachsport in Ludwigsfelde

Am Samstag, den 21.09.2019, richtete der Ludwigsfelder Schachclub das 2. Ludwigsfelder Herbstturnier aus. In diesem Jahr waren 44 Teilnehmer aus Berlin und Brandenburg angereist und spielten in 11 Gruppen um Pokale und Medaillen.

Konzentrierte Spannung im Spielsaal

Viel Lob für das Waldhaus

Wie auch im vergangenen Jahr war die Austragungsstätte das „Waldhaus Ludwigsfelde“. Der Säulensaal diente als Turniersaal. Trotz des bei Tagesturnieren üblichen stetigen Kommens und Gehens ging es überwiegend ruhig zu, sodass die Spieler sich ungestört auf ihre Partien konzentrieren konnten. Während der ersten Pause wurde der Turniersaal unauffällig umgebaut und nicht benötigte Tische herausgenommen, sodass ab der zweiten Runde für alle Teilnehmer mehr Platz zur Verfügung stand. Generell wurde die Location von vielen Teilnehmern ausdrücklich gelobt.

Im Nebenraum, dem „SPAs Café“ des Waldhauses, konnten die Teilnehmer neue Kraft für die nächsten Runden schöpfen. Das hier bereitgestellte Verpflegungsangebot zum Selbstkostenpreis wurde sehr gut angenommen: Es gab belegte Brötchen, Würstchen mit Kartoffelsalat und Schachbrettkuchen. Für durstige Schachspieler hielten wir Getränke bereit. Eine Sitzecke lud zum Verweilen ein.

Unser Verpflegungsteam sorgte für das leibliche Wohl der Teilnehmer

Auch an den Analysebrettern im Vorraum herrschte stets reger Betrieb. Hier standen weitere Sitzmöglichkeiten zur Verfügung und eine regelmäßig aktualisierte Infotafel informierte über die Ansetzungen und Ergebnisse in den Gruppen.

Buntgemischte Gruppen und viele Sieger

Die Gruppen wurden nach den offiziellen Wertungszahlen der Teilnehmer zusammengestellt, sodass jeder Spieler gegen ungefähr gleichstarke Gegner spielen konnte. Auf diese Weise entstand eine bunte Mischung von jungen Spielern bis hin zu erfahrenen Senioren.

So interessant die Gruppen zusammengestellt waren, so unterschiedlich liest sich auch die Siegerliste:

  • In der Gruppe A demonstrierte Nils Werthmann Endspielstärke
  • In Gruppe B rechnete Jonatan Schenk vorzeitig seinen Turniersieg heraus
  • Jungtalent Phuc Nhat Nguyen gewann wie im Vorjahr seine Gruppe
  • Gruppe D gewann Jared William Möller
  • In Gruppe E zeigte Oliver Hall die stärksten Nerven
  • Luna Sohr setzte sich in Gruppe F souverän durch
  • Harald Gloess verwies in Gruppe G die Jungspunde auf die hinteren Plätze
  • In Gruppe H gewann Hans Hoffmann als ältester Teilnehmer
  • Hagen Kruspe in Gruppe I erzielte als einziger Teilnehmer die volle Punktzahl
  • Gruppe J ging an Lenny Dietrich
  • In Gruppe K spielte Yannis Fornfeist den Wiederholungstäter und gewann wie schon im letzten Jahr

„Was, ich habe gewonnen? Aber ich habe doch nur verloren.“

Hans Hoffmann nach seinem Sieg in der Gruppe H

Etwa 9 Stunden nach Turnierbeginn beendeten Reiko Pankow und Siegfried Steppan die letzte Partie des Tages und entschieden dabei zugleich die Gruppe E.

Zu dieser Zeit waren die meisten Spieler wohl längst wieder zuhause

Ludwigsfelder Spieler mit Erfolgen

Der Ludwigsfelder Schachclub als Gastgeber trat mit 9 Spielern an. In der A-Gruppe konnte sich Rafael mit talentierten Nachwuchsspielern messen. Aber vor allem unser Nachwuchs war mit 5 Spielern zahlreich vertreten und nutzte die Chance auf ein Vorbereitungsturnier, bei dem sie sich im Wesentlichen mit Gleichaltrigen messen konnten.

Am Ende konnten 3 Ludwigsfelder ihre Gruppe gewinnen. Turniersenior Hans Hoffmann gewann die H–Gruppe, Yannis Fornfeist seine K–Gruppe und Hagen Kruspe die I-Gruppe, letzterer mit 3 Siegen! Den 2. Platz erreichten Rafael Schenk (Gruppe A), Reiko Pankow (Gruppe E), Lennard Zimmer (Gruppe I) und Niklas Fornfeist (Gruppe K). Auf den 3. Platz kamen Angelika Riegraf und Balthasar Ehlers.

Ulrich, Michel und Hagen in bester Laune

Vielen Dank allen Helfern und dem Waldhaus

Allen, die sichtbar oder unsichtbar am Turniertag, davor oder danach mitgeholfen haben dieses Turnier möglich zu machen, möchten wir noch einmal ganz ausdrücklich dafür danken: Dem Organisationsteam, dem Schiedsrichter, den Turnierleitern, dem Verpflegungsteam, den Eltern, allen, die zuvor aufgebaut oder Figuren sortiert haben, und allen, die anderweitig dazu beigetragen haben.

Ein besonderer Dank außerdem an den Waldhaus e.V. und allen Verantwortlichen, dass wir diese wunderbare Location in Ludwigsfelde für das 2. Ludwigsfelder Herbstturnier nutzen konnten.

Turnierergebnisse

Zu den Ergebnissen

Zusätzliche Startplätze beim Ludwigsfelder Herbstturnier

Am Samstag ist es soweit: Das 2. Ludwigsfelder Herbstturnier steht in den Startlöchern und eine Vielzahl von Berlinern und Brandenburgern haben sich angemeldet.

Bereits fast vier Wochen vor dem Turnier erreichten wir die anvisierten 40 Anmeldungen – mittlerweile sind es 54. Infolgedessen haben wir uns um zusätzliche Kapazitäten bemüht und werden somit bis zu 50 Schachspielern die Teilnahme am 2. Ludwigsfelder Herbstturnier ermöglichen können.

An dieser Stelle auch ein ausdrückliches „Dankeschön!“ an die Verantwortlichen beim Waldhaus, dass alle Fragen im Vorfeld geklärt werden konnten und für die Bereitstellung zusätzlicher Tische und Stühle. Ansonsten wäre die Aufstockung auf 50 Spieler nicht möglich gewesen.

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Der Ludwigsfelder Herbst ist im Anmarsch

Die Sommerferien sind vorbei und so langsam beginnen die Vorbereitungen für die nächste Saison. Schon in 6 Wochen geht es wieder los mit dem 1. Spieltag der neuen Saison.

Zeit, sich langsam einzustimmen und sich wieder ans Schachbrett zu setzen!

Bestens dafür geeignet ist das 2. Ludwigsfelder Herbstturnier. Dieses findet am Samstag, den 21. September 2019 statt, also genau ein Wochenende vor Beginn der Ligaspiele. Somit bietet es sich regelrecht an, bei dieser Gelegenheit die eigenen Schachkünste schon mal auf die Probe zu stellen.

Turniermodus

Wir werden insgesamt drei Runden spielen mit einer Bedenkzeit von 60 Minuten für 30 Züge plus 30 Minuten für den Rest der Partie. Die Teilnehmer werden auf Gruppen mit je 4 Spielern aufgeteilt, sodass jeder Spieler Gegner mit ungefähr seiner eigenen Spielstärke bekommt. Das bedeutet gleichzeitig: Jeder kann gewinnen!

Als Preise gibt es Pokale und Medaillen. Für das leibliche Wohl in den Pausen zwischen den Partien ist selbstverständlich gesorgt.

Aktueller Anmeldestand

Inzwischen sind insgesamt 23 Anmeldungen eingegangen. Damit sind bereits fünf Wochen vor dem Turnier mehr als die Hälfte der verfügbaren Plätze vergeben. Interessierte können sich weiterhin bei René per E-Mail für den Ludwigsfelder Herbst anmelden.

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